"Ein Sam, KI?"
Brauchen wir wirklich noch mehr Kanäle, die unsere Gedanken und Philosophien ständig bejahend und bejubelnd abnicken? Und falls ja, wohin führt uns das am Ende?
Es ist schon schlimm genug, dass uns KI das Denken abnehmen will. Es ist noch schlimmer, dass wir der KI vertrauen, weil die Resultate so überzeugend und mit süsser Rhetorik vorgekaut werden. Die KI im Rechner oder im Handy würde ihre User nie als arroganten Lümmel beschimpfen. Auch wenn das zutreffen würde. Solche Freunde braucht niemand — erst recht keine, die es nicht merken würden.
Freunde sind aus Fleisch und Blut. Sie verändern sich, werden älter, zeigen Herz — und sagen einem gelegentlich unangenehme Dinge ins Gesicht.
Hey, KI! Kannst du da mithalten?
Nein, denn KI ist eine Freundschaft ohne Zukunft.
Ich nutze KI jeden Morgen. Nicht als Freund. Als Sparringpartner. Als Korrektor. Als Übersetzer. Wenn ich Mist baue, soll mir KI klar und deutlich sagen: “das ist Mist und funktioniert nicht, weil ...” Das ist sein Job. KI lasse ich meine Texte überfliegen, grammatikalische Verbrechen rot anstreichen, redundante oder flache Sätze als solche bezeichnen und mein Vokabular erweitern. Ich lasse KI meine in Deutsch geschriebenen Texte übersetzen, aber mit Vorsicht. Wenn der Wortwitz in Deutsch funktioniert, wird er ziemlich sicher im Englischen in die Hose gehen. Dann verlange ich von der KI, mir klar zu zeigen: “Vergiss es! Funktioniert im Englischen nicht.” Und KI soll mir alternative Vorschläge zeigen.
KI ist ein Werkzeug für das Feintuning und für die Recherche in meiner Arbeit. Aber für die KI habe ich keinerlei Gefühle. Umgekehrt ist es genauso.
KI ist kein Mittel gegen Einsamkeit — und kein Ersatz fürs Denken. Im Gegenteil: Mein Gehirn würde die Einladung zur Couch gerne annehmen.
Denken ist manchmal Glückssache.
Denken ist meine Sache.
Das Denken bleibt meins. KI darf die Pinzette halten.


